Auf der Slush’D Conference in Heilbronn sorgte ein Panel zur besten Zeit für Aufsehen. Unter dem wegweisenden Titel „Who is driving funding opportunities for startups in Europe?“ brachte Moderator Jan Thomas gemeinsam mit vier erfolgreichen Investoren die schonungslose Realität auf den Punkt: Europa hat Boden verloren, doch die Weichen für eine technologische Aufholjagd können noch gestellt werden.

Die Protagonisten des aufrüttelnden Panels:

Petter Made, Partner bei EWOR und Mitgründer des Fintech-Unicorns SumUp, brachte die Perspektive eines erfolgreichen Serial Entrepreneurs ein. EWOR (Entrepreneurship Without Risk) hat gerade ein 60-Millionen-Euro-Commitment für 2025 angekündigt und unterstützt Gründer mit bis zu 500.000 Euro sowie Mentoring durch Unicorn-Founder. Made und sein Team haben Unternehmen im Wert von über 12 Milliarden Euro aufgebaut.

Francesco Perticarari, General Partner bei Silicon Roundabout Ventures, vertrat den Community-getriebenen Ansatz. Als Ingenieur und Gründer der „Silicon Roundabout“ Tech-Community mit über 15.000 Mitgliedern hat er einen einzigartigen Zugang zu Deep-Tech-Talenten. Sein Micro-VC fokussiert sich auf Bereiche wie Quantum Computing, KI-Infrastruktur und Defence Tech – genau die Technologien, bei denen Europa Souveränität zurückgewinnen muss.

Samuli Siren, General Partner und Gründer von Redstone, repräsentierte einen der aktivsten europäischen Early-Stage-Investoren. Mit über 200 Portfolio-Unternehmen und spezialisierten Fonds für FinTech, MedTech, GreenTech und einem kürzlich lancierten 50-Millionen-Franken Quantum-Fonds zeigt Redstone, wie vertikale Spezialisierung funktionieren kann. Ihre proprietäre Datenplattform „SOFIA“ nutzt Analytics für systematische Investmententscheidungen.

Tina Dreimann, Gründerin und Managing Director von Better Ventures, brachte die Impact-Perspektive ein. Ihr Angel-Club-Modell zeigt, wie man Mission und Skalierung vereint: Better Ventures investiert nur in Startups, bei denen der positive Impact integral im Geschäftsmodell verankert ist – jeder Verkauf muss zu messbarem gesellschaftlichem Nutzen führen.

Jan Thomas, CEO und Gründer von Startup Insider, führte als Moderator mit scharfem Blick durch die Diskussion. Als Host von zwei der erfolgreichsten Startup-Podcasts Deutschlands kennt er die europäische Szene wie kaum ein anderer und scheute sich nicht, die unbequemen Fragen zu stellen: „Wenn wir ehrlich sind, könnte der Titel dieses Panels auch lauten: ‚Europa ist f*cked… es hat es nur noch nicht realisiert.'“

Die schonungslose Analyse:

Die Zahlen, die das Panel präsentierte, zeichnen ein dramatisches Bild: 2024 investierten US-VCs 215 Milliarden Dollar, Europa kam auf gerade einmal 45 Milliarden. Bei Unternehmen über 10 Milliarden Dollar Marktwert ist das Verhältnis noch verheerender: USA über 150, Europa etwa 20. Allein die sieben größten US-Tech-Giganten übersteigen mit 12 Billionen Dollar Marktkapitalisierung den gesamten europäischen Tech-Sektor um ein Vielfaches.

„Wir haben nicht nur die Cloud verpasst, wir haben Mobile verpasst, wir haben Semiconductors verpasst, und jetzt verpassen wir KI“, so die ernüchternde Bilanz. „Jede digitale Schicht, auf die unsere Startups angewiesen sind – Infrastruktur, Chips, Computing, Betriebssysteme, App Stores, Datenmodelle – wird von den USA oder zunehmend von China kontrolliert.“

Lösungsansätze in 30 Minuten:

Trotz der nur 30-minütigen Diskussionszeit identifizierten die Panelisten drei Kernbereiche für Veränderung:

  1. Aktivierung traditioneller Kapitalquellen: Family Offices im Generationswechsel und Pensionsfonds müssen stärker eingebunden werden. Das „Stockholm-Modell“, wo erfolgreiche Gründer systematisch als Angels reinvestieren, könnte als Blaupause dienen.
  2. Strukturelle Reformen: Die fragmentierte Regulierung, komplexe Steuergesetze und die Tendenz erfolgreicher Startups, in den USA zu listen (wie Klarna oder potenziell SumUp), müssen adressiert werden.
  3. Kulturwandel: Europa braucht mehr Risikobereitschaft und „Hunger“ – die Bereitschaft, nach dem ersten Exit weiterzumachen statt sich zurückzuziehen.

Die Diskussion endete mit einem klaren Appell: „Wir reden nicht nur über Kapital – wir reden über strategische Abhängigkeit. Die Frage ist: Wer in Europa baut tatsächlich die Fundamente, die wir noch selbst besitzen?“

Das Panel auf der Slush’D Heilbronn war mehr als eine Diskussion – es war ein Weckruf für das europäische Startup-Ökosystem. Die Message war klar: Ohne radikale Veränderungen wird Europa nicht nur den Anschluss verlieren, sondern seine digitale Zukunft komplett in fremde Hände legen.

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